Kreta: heute und vor 20 Jahren

Von Denis Bryll |19.01.2017

Kreta

Die Anreise nach Kreta wird dem Urlauber leicht gemacht. Es gibt von allen großen Flughäfen Deutschlands viele Nonstop-Verbindungen. Die Reisezeit beträgt 3-3 ½ Stunden.

Griechenland und somit auch Kreta wird meist nur als Sommerziel (April–Oktober) angeboten. Gerade Anfang Oktober ist in der Regel für den nicht ganz so hitzebeständigen Reisenden eine wunderschöne Zeit. Die Tagestemperatur beträgt dann ca. 25°C. Das reicht für die Sonnenliege und ist ideal für Ausflüge. Das Meer hat dann ebenfalls noch eine sehr angenehme Temperatur.

Die Kreter können sehr herzlich und gastfreundlich sein, es geht aber auch mürrisch und wortkarg. In der Regel wird man überaus freundlich behandelt, besonders in den Hotels.

Bei den Griechen kann man sich auf eins verlassen, dass alles so bleibt, wie es schon immer war. Nicht nur diverse Ausgrabungen haben die Zeiten überstanden, sondern auch die Art der Griechen. Die Kreter gehen mit vielen Situationen lässiger um, als der gemeine Deutsche. So kann es in einem Lokal schon mal passieren, dass einige Gäste sehr lange vor ihren leergegessenen Tellern sitzen müssen, weil der Mitarbeiter erst noch die Zeitung zu Ende liest, bis er sich seiner eigentlichen Arbeit wieder widmet und die Tische abräumt. Das Motto lautet Cigar Cigar (langsam, langsam, nur keine Eile).

Kreta sieht heute noch genauso aus, wie vor 20 Jahren. Es hat sich nichts verändert. Und so ist Autofahren auf Kreta weiterhin ein Erlebnis. Die oft nur zweispurige Hauptstraße wird einfach als vierspurig genutzt. Geschwindigkeitsbegrenzungen scheinen nur Empfehlungen zu sein und gelten
ohnehin nicht für Einheimische. Straßenschilder, die einem den Weg weisen sollen, sind entweder in griechischer Schreibweise oder unsere Schrift ist mit Graffiti übersprüht. Andere Schilder sind überwuchert oder umgebogen (Ein Navigationsgerät ist hier Gold wert!). Wenn man sich erst einmal an das Chaos gewöhnt hat, kann man fahren, wie man will. Das ist auch eine Art von Freiheit.

In den Städten wie Rethymnon, Chania oder natürlich Heraklion geht es ebenso nach eigenen Regeln zu. Aber, es funktioniert (Vorsicht vor den Zweirädern!). Wer die Insel richtig erkunden will, sollte sich einen Mietwagen nehmen (immer vor der Reise über deutsche Anbieter mit Vollkasko ohne Selbstbeteiligung buchen).

Selbstverständlich werden auch organisierte Ausflüge von den diversen Reiseveranstaltern wie TUI nach Knossos, Rethymnon, Chania, zu der 17 km langen Samaria Schlucht… angeboten.

Wer ein Hotel nahe Rethymnon bewohnt (z.B. Grecotel El Greco bzw. Grecotel Creta Palace) kann zumindest nach Rethymnon bequem, zuverlässig und günstig (1,20 € pro Person und Strecke) mit dem Linienbus fahren. Wer in der Nähe von Heraklion wohnt (z.B. Magic Life Club Candia Maris) kann sich auch nach Knossos ein Taxi nehmen.

Es gibt viele interessante Orte, um auf Kreta zu wohnen. Und es gibt für jeden Geldbeutel das passende Hotel. Vom Robinson Club über diverse Grecotels über sehr einfache Unterkünfte über Luxusherbergen.

Die Hotels um Malia und Chersonissos werden gerne von jungen Leuten gebucht. Hier findet man die Feiermeile der Insel und es geht sehr international und laut zu. Ansonsten gibt es viele Hotels in Richtung Agios Nikolaos, Rethymnon, Heraklion, Chania…

Das Grecotel El Greco bietet eine sehr moderne Lobby mit angrenzender Designer Bar inkl. Terrasse mit Meerblick. Die Drinks sind hier passabel gemixt. Die Zimmer werden im Winter 2013/2014 renoviert. Danach ist die Anlage wieder auf dem neusten Stand. Das Personal ist sehr freundlich. Man fühlt sich als Gast hier wohl. Sehr empfehlenswert ist in jedem Fall die Buchung des Premium-Plus-Paketes (eine Art All Inklusive). Das Buffet ist ordentlich. Besonders die angebotenen Speisen an den Kochstationen sind empfehlenswert. Das Hauptrestaurant ist innen nur bedingt gemütlich. Die Außenplätze sind eindeutig besser. Bei dem angebotenen Wein (Hauswein oder Zorbas) handelt es sich um griechischen Wein und somit darf man nicht zu viel verlangen. Selbst Weine aus der Weinkarte wie der Charisma (Rosé) sind trinkbar, aber keine Offenbarung. Der Strand ist bei weitem kein Traumstrand, aber er ist sauber und es gibt, selbst bei voller Auslastung des Hotels, keine Streitereien um freie Liegen und ein
gutes Plätzchen. Das Meer ist hier glasklar und der Einstieg sehr gut. Die weit ins Meer reichenden Betonstege sind kein Augenschmaus. Das Hotel hat 4,5 Sterne. Hier trifft man auf einen Mix aus einem angenehmen russischen, schweizerischen, deutschen und österreichischen Publikum. Insgesamt kann man dieses Hotel durchaus für einen entspannten Urlaub empfehlen.

Unweit vom Grecotel El Greco liegt das Grecotel Creta Palace. Es ist mit 5 Sternen im Vergleich zum El Greco Hotel zwar nur einen halben Stern höher bewertet, beherbergt aber eine andere Klientel. Während das El Greco entspannter und lässiger daherkommt, setzt das Creta Palace auf Chic. Es wirkt edler. Dieses Hotel kann nur mit Halbpension gebucht werden. Die Anlage ist sehr schön angelegt. Die Zimmer sind komfortabel. Das Hotel bietet tolle Familienzimmer und schöne Doppelzimmer und Suiten. Auch hier ist das Personal sehr nett. Es gibt ein Hauptrestaurant und verschiedene Spezialitäten-Restaurants, bei denen die Halbpension zum Teil angerechnet werden kann. Der Strand ist sehr breit und für griechische Verhältnisse überdurchschnittlich. Das Essen in Buffetform im Hauptrestaurant ist sehr gut und sowohl die Innenplätze, als auch die Außenplätze sind sehr ansprechend. Die Cocktailpreise an der Lobby-Bar sind unverhältnismäßig hoch (13,- € für eine Caipirinha, ein anständiger Single Malt kostet 18,- €). Wer es etwas feiner mag, der wird sich hier wohl fühlen.

Für Cluburlauber bietet sich der Robinson Club Kalimera Kriti oder der Magic Life Club Candia Maris an. Beide Clubs haben ihr für und wider. Der Robinson Club hatte bis vor kurzer Zeit große Schwierigkeiten. Die Zimmer waren nur in Meeresnähe gut, das Essen hatte keinen Robinson Standard… inzwischen sollen laut Kundenaussage diese Makel behoben worden sein. Der Magic Life Club ist eine schöne Hotelanlage mit guten Zimmern und entspanntem, netten Personal. Leider sind die Getränke kaum genießbar, da für die nichtalkoholischen Getränke ein fieses griechisches Produkt ausgeschenkt wird. Somit sind die Cola, Limonade, Tonic Water und sogar das Wasser geschmacklich ein Desaster. Das führt dazu, dass die Mixgetränke an der Bar ebenso wenig schmecken. Die alkoholischen Getränke sind zusätzlich von mittelmäßig gutem Geschmack. Es bleibt nicht viel, was man hier trinken kann. Das Essen soll nach Kundenaussagen bis einschließlich September sehr gut sein. Ab Oktober wird allerdings am Angebot aufgrund des anstehenden Saisonendes sowohl die Vielseitigkeit der Speisen, als auch die Qualität zurückgefahren. Das Essen bleibt genießbar, ist aber von gut weit entfernt. Ein Galadinner mit Hackbällchen und Schweinebraten zu bestreiten, war für mich ein neues Erlebnis. Die angebotenen Spezialitätenrestaurants (italienisch + griechisch) sind absolut ordentlich. Dort lohnt es sich auch zur Menü-Begleitung aus der Weinkarte zu bestellen. Der Minotaurus Blood 2010 für 19,50 € ist recht gerbstoffreich aber trinkbar und reicht für die griechische „Taverna“, empfehlen würde ich aber spätestens beim Italiener „Al Baccio“ den Mandilari 2010 vom besten Weingut der Insel Lyrarakis für 36,- €. Im Duty Free liegt dieser Wein preislich bei ca. 10,- €. Sollte von diesem Weingut der Wein Last Supper (im Duty Free ca. 9,- €) angeboten werden, kann dieser ebenfalls sorglos bestellt werden.

Es gibt eine Menge Dinge, die man sich auf dieser großen Insel anschauen kann.

Der Palmenstrand von Vai, wo vor langer Zeit einmal die Bounty bzw. Bacardi-Werbespots gedreht worden sein sollen, ist von allen anderen Orten sehr weit entfernt, vollkommen überlaufen und nicht wirklich mit einem Karibik-Traumstrand zu vergleichen. Dieses Ausflugsziel wird überschätzt.

Agios Nikolaos ist ein hübscher Ort mit einem kleinen See im Ortskern. Um diesen See kann man in diversen Lokalen sitzen und pausieren. Wer in der Nähe wohnt, sollte sich den Ort anschauen. Wer nahe Rethymnon wohnt, muss sich gut überlegen, ob man die weite Fahrt in Kauf nimmt.

Rethymnon hat eine schöne Altstadt, einen kleinen aber feinen venezianischen Hafen und eine venezianische Festung. Die Verkäufer hier sind sehr geschäftstüchtig. Augen auf beim Honig- oder Olivenölkauf. Unbedingt die Preise erst mit anderen Geschäften vergleichen. Hier kann z.B. der besonders gute Thymian Honig schon mal bei dem einen 15,- € kosten und ein paar Meter weiter nur noch 10,- €. Am venezianischen Hafen geht es eher arabisch zu. Fast jeder Inhaber eines Restaurants versucht einen extrem hartnäckig zu überreden, doch bei ihm zu speisen. Freundschaften werden angeboten, Hände gereicht. Das einzige seriöse Lokal, welches mir nicht die Blutsbrüderschaft aufschwatzen wollte, war das „Knossos“ und das wäre dann auch, wenn man am Hafen sitzen und essen möchte, meine Empfehlung.

Chania ist Rethymnon ist größer und schöner. Die Altstadt ist sehenswert. Wunderbare Gassen gibt es hier zu erkunden, die Markthalle ist recht interessant, in alten, teils verfallenen Häusern verbergen sich kleine Hotels, Ateliers oder Restaurants und der venezianische Hafen ist der Höhepunkt. Hier wird man freundlich und zurückhaltend gefragt, ob man nicht in die unzähligen Lokale einkehren möchte. Im Gegensatz zu Rethymnon wird hier aber ein NEIN akzeptiert. Hier sollte man sich in jedem Fall hinsetzten und etwas trinken oder frischen Fisch essen. Die Atmosphäre und der Blick ist hier wunderbar.

Knossos ist für alle Geschichtsinteressierten einen Ausflug wert. Hier sieht man Ausgrabungen und eine nicht ganz unumstrittene Rekonstruktion, wie der ehemals bis zu vier Etagen hohe Palast mal ausgesehen haben könnte.

Im südlichen Matala findet man die teils natürlichen, teils in Felsen geschlagene Grabhöhlen. Auch hier ist der Weg meist recht weit und man muss sich überlegen, ob dieser Ausflug lohnt. Eine Wanderung durch die Samaria Schlucht ist auf jeden Fall empfehlenswert. Doch Vorsicht, die Schlucht ist 17 km lang und dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg ist steinig und schwer. Gute Ausdauer, festes Schuhwerk und genug Wasser sind Voraussetzung für diese Wanderung.

Fazit: Kreta ist Kreta ist Kreta und wird es auch bleiben. Kreta bietet, wie die meisten griechischen Insel, keinen Traumstrand, typische griechische Gegenden, keine filigrane Küche und kaum passablen Wein. Trotzdem hat Kreta seinen Reiz. Es gibt hier Sonne, Meer und Entspannung. Und die einfache Küche wie ein gutes Moussaka, griechischer Salat, Tsatsiki oder Gegrilltes schmeckt unter der Sonne Griechenlands besonders gut. Kreta ist eine Insel auf der man etwas unternehmen kann oder sich einfach auf die Liege legt und auf das weite Meer schaut.

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