Bhutan- Gross National Happiness & das Land des Donnerdrachens

Von Sylwia Materlinska |27.06.2024

Als Reiseexpertin mit Leib und Seele habe ich schon viele ungewöhnliche und spannende Reisen unternommen.
BHUTAN aber hat mich verändert. Diese Reise hat mich spirituell sehr inspiriert und ich bemerke eine Veränderung bei mir. Eine sehr spannende Beobachtung.
„Sei zufrieden damit, ein realistisches Ziel zu erreichen, ohne gierig zu werden oder unrealistische Vorstellungen zu haben.“

Das Land stand schon immer auf meiner Bucketlist. Vor allem, nachdem ich die romantische Liebesgeschichte des Königs und seiner Auserwählten gelesen habe. Seitdem wollte ich unbedingt das „Land of Happiness“ kennenlernen und die Aura dieser schönen Lovestory erleben.

Los ging es mit Emirates über Dubai nach New Delhi. Hier hatte ich eine Zwischenübernachtung in dem wunderschönen Hotel The Oberoi  Gurgaon. Das 5 Sterne Luxus Hotel hat im Übrigen die perfekte Anbindung an den Flughafen.

Am nächsten Tag flog ich mit der Druk Air 2,30 Stunden von Delhi, an dem gewaltigen Bergmassiv des Himalaya entlang, bis nach Bhutan (Paro) und das ganz unkompliziert und traumhaft schön. Ich kann jedem nur empfehlen, sich auf der linken Seite im Flugzeug einen Fensterplatz zu reservieren. Die imposanten Berge des Himalayas sind zum Greifen nah und der Ausblick atemberaubend.

Auf die Landung in Paro war ich schon sehr gespannt, hatte ich schon viele Geschichten über die gefährlichste Landebahn der Welt gehört. Der Kapitän machte auch ein paar Witze darüber, um die Stimmung ein wenig aufzulockern. Für mich war es sehr aufregend, als auf einmal mit dichtem Wald bedeckte Hügel vor den Fenstern erschienen, durch die der Pilot mit Bravour hindurch navigierte und schließlich auf dem winzigen Flughafen in Paro auf 2200 m landete. Chapeau!

Der Flughafen Paro ist bezaubernd. Alles ist hübsch und mit Liebe zum Detail bewusst gestaltet, die Menschen warmherzig und freundlich, es war unglaublich sauber und es herrschte eine friedliche entspannte Stimmung.

Unser Guide Sungee begrüßte uns mit einem breiten Grinsen. “ Kuzuzangpola“ – das ist die bhutanische Begrüßung für „Guten Tag“.  Seine traditionelle Kleidung (Gho) begleitete uns tagtäglich, denn die Bhutaner sind sehr stolz darauf, diese Landestracht zu tragen. Bei den Damen nennt man diese Kira.   

Nachdem unser Gepäck verstaut wurde, machten wir uns auf den Weg nach Thimpu. Dieser Ort liegt eine eineinhalb Fahrtstunde von Paro entfernt.  Die Fahrt führte durch pittoreske kleine Dörfer mit bunt bemalten Häusern, entlang eines glasklaren Flusses, der sich durch ein Tal schlängelte. Die bunten Gebetsfahnen, aber auch die 49. Trauerfahnen und vereinzelt stehende Klöster entzückten mich.

Die ersten zwei Nächte verbrachten wir im einem 5* Haus, Pemako Thimphu , zentral gelegen  in der Stadt. Eine perfekte Lage, um später nochmals auf Erkundungstour zu gehen.

Die für unsere Verhältnisse kleine Hauptstadt Bhutans ist Thimpu, aber dennoch mit Abstand die größte Stadt Bhutans.  Das Parlament und der Regierungssitz des Königs, sowie viele Verwaltungs- und Bildungseinrichtungen sind hier ansässig. Dzongs, Stupas, eine große goldene Buddha Statue, ein Zoo, indem man den Takin, das Nationaltier Bhutans bestaunen kann.

Ein Dzong ist übrigens eine Festung, die als Sitz der sowohl politischen als auch religiösen Verwaltungen des Distrikts dient und damit zugleich Verwaltungsgebäude und Kloster ist. Ziemlich spannend. Davon gibt es etwa 20 in ganz Bhutan. Vier davon sind sehr alt, meist aus dem 17. Jahrhundert.  Bei dem Dzong in Thimpu ist erwähnenswert, dass Besuchern erst nachmittags Einlass gewährt wird, weil der König selbst dort ein Büro unterhält und anwesend ist.

„Ema Dathsi“ was „Chilis und Käse“ bedeutet – war mein tägliches Brot. Die Bhutaner konsumieren locker 2kg Chili pro Tag. Egal, ob morgens, mittags oder abends – herzhaft oder süss – Chili ist das Grundnahrungsmittel!

Nach zwei Tagen und vielen neuen Eidrücken fuhren wir über den nahen 3100 m hohen Dochula Pass. 108 kleine Stupas erinnern hier an den Sieg der bhutanischen Armee über assamische Aufständige in 2003. Zudem gibt es hier ein Café und viele kleine nette Meditationshöhlen im Rhododendron-Wald. Manchmal hat man hier bei guter Wetterlage einen wundervollen Blick auf die hohe Himalaya- Bergwelt Bhutans. Leider war es uns nicht gegönnt. 

Auf dem weiteren Weg entdeckten wir etwas ganz Kurioses. An allen Hauswänden, an den Eingängen, selbst in Cafes war das Symbol des Phallus in bunter Darstellung und in verschiedenen Größen abgebildet. Eine sehr eindrucksvolle Entdeckung und sehr amüsant. Die Bedeutung des Phallus erklärte sich erst nach dem Besuch des Chimey Tempels aus dem 15. Jahrhundert. Chimey Lhakhang, auch bekannt als der „Tempel des göttlichen Wahnsinns“, ist ein buddhistischer Tempel, der für seine einzigartige Besonderheit und seinen Ruf als Ort der Fruchtbarkeit und des Schutzes bekannt ist. Die Besonderheit von Chimey Lhakhang liegt in seiner engen Verbindung mit Drukpa Kunley, einem berühmten tantrischen Yogin des 15. Jahrhunderts, der auch als „heiliger Verrückter“ bekannt ist. Drukpa Kunley war für seinen unkonventionellen Lebensstil, seine obszönen Sprüche und seinen offenen Umgang mit Sexualität und Spiritualität bekannt. Er wird oft mit einem Phallus als Symbol dargestellt. Zu diesem Tempel wird gepilgert, um für die Geburt eines Kindes zu erbitten. Damit der Wunsch in Erfüllung geht, muss die Frau mit einem großen Holzpenis den Tempel mehrere Male umkreisen.

Der Phallus hat eine besondere symbolische Bedeutung in der Kultur von Bhutan. In Bhutan wird der Phallus als Symbol der Fruchtbarkeit, des Glücks und des Schutzes angesehen. Es wird allgemein geglaubt, dass der Phallus negative Energien abwehren kann und als Glücksbringer dient. In Bhutan gibt es verschiedene Darstellungen des Phallus, darunter Wandgemälde, Skulpturen und Amulette. Diese Darstellungen können in Häusern, Tempeln und anderen öffentlichen Orten zu finden sein.

Es ist wichtig zu beachten, dass der Phallus in Bhutan nicht auf sexuelle Konnotationen reduziert wird. Stattdessen wird er als ein kraftvolles Symbol für das Leben, die Fruchtbarkeit und den Schutz verehrt.
Was soll ich sagen? Andere Länder, andere Sitten! 

Weiter auf dem Weg besuchten wir eines der wenigen Nonnenkloster in Bhutan. Hier hatten wir das Glück, der Gebete im Tempel des Klosters beiwohnen zu dürfen und mit zwei Klosternonnen ein nettes Gespräch zu führen.

Für die nächsten zwei Nächte durften wir das COMO Uma Punahka beziehen. Ein Resort mit einem pittoresken Blick auf die Täler und Berge von Punahka. Ein Ort der Ruhe. Wunderschön.  

Den nächsten Tag begann auf einer traditionellen Farm. Reis pflanzen, Papayas pflücken, Kühe melken usw. ganz spannende Erfahrung, die Menschen im täglichen Leben zu begleiten.  

Als Abschluss ging es dann noch über die längste Hängebrücke Bhutans. 

Unser Highlight des Tages war der Punakha Dzong.  Die Schönheit wurde unterstrichen von zwei Flüssen, die das Fort und den mit blauer Blüte blühenden Jacaranda Bäumen umschliessen.

Der nächste Tag begann früh. Nach zwei Stunden Busfahrt wartete das nächste Highlight auf uns. Hoch über dem Tal thronte das Gangtey-Kloster. Das Kloster ist ein bedeutender religiöser Ort für Anhänger des Buddhismus und zieht Besucher mit seiner ruhigen Atmosphäre und den kunstvollen Wandmalereien an. 

Mir erschien das Phobjikha Valley wie aus dem Bilderbuch. Saftige Wiesen auf denen Yaks und Pferde grasten, kleine beschauliche Dörfer und auf den sanften Hügellandschaften schmiegten sich alte Klöster. Es ist nicht nur eines der bekanntesten Wahrzeichen des Landes und das beliebteste Ziel für Touristen, sondern zugleich eine der wichtigsten Pilgerstätten in Bhutan.

Angekommen in Gangtey Lodge wartete schon ein Hot Bath auf mich. Eine wunderbare Entspannung nach der langen Fahrt. Die traumhafte und mehrfach preisgekrönte Gangtey Lodge bietet jeglichen Komfort an einem der abgelegensten Orte der Welt. Die einmalige Luxus-Lodge mit 12 Suiten thront über dem spektakulären Gangtey-Tal und gestattet einen grandiosen Ausblick.

Am nächsten Tag ging es mit viel Wehmut wieder zurück nach Paro.
Nach einer 5-stündigen Busfahrt, die sehr abwechslungsreich war, kamen wir in Paro an.

Ein Stopp im Nationalmuseum Bhutan ist Pflicht. Ein sehr bemerkenswertes Museum und nach dem Erdbeben von November 23 sehr schön hergerichtet. Leider darf man innen nicht fotografieren, aber dies ist in ganz Bhutan die allgemeine Vorschrift. Überall müssen Kamera oder Handy abgegeben und eingeschlossen werden. 

Das Amankora Parao war unsere nächste Übernachtungsunterkunft. Hier stimmte einfach alles. Eine wunderschöne große Suite im Wald eingebettet. Obwohl die High-Society gerne Urlaub in Resorts dieser Güte macht, ist hier alles gediegen und authentisch geblieben. Glücklicherweise kein Hotel, um sich Kamerawirksam zu präsentieren, sondern für denjenigen, der es wertschätzt, mal nicht im Rampenlicht zu stehen und lieber auf die Flamme der inneren Erkenntnis Wert legt. 

Der nächste Morgen wurde seit langem sehnsüchtig erwartet.  Das absolute Nonplusultra Highlight stand auf dem Programm. Die Wanderung zum TIGER’S NEST!

Dieses einmalige Kloster liegt auf 3120 Metern auf einem steilen Felsen. Besucher können das Kloster über einen gut ausgebauten, ständig ansteigenden Pfad erreichen, der durch dichten Wald führt und spektakuläre Aussichten auf das umliegende Tal bietet. Unterwegs passiert man mehrere Gebetsstupas und Gebetsmühlen und zum Schluss steigt man Treppen hinauf zum Kloster. Hin und zurück beträgt die Strecke ca. 6,5 km, mit insgesamt 800 Höhenmetern, wofür man ungefähr 5 bis 6 Stunden benötigt, je nach körperlicher Verfassung. Die Route wird grundsätzlich als schwierig eingestuft. Der Abstieg ist immer einfacher als der Aufstieg. Und dem einen fällt es leichter als dem anderen. Ich empfand es als sehr anstrengend. Der leichte Regen, der anfangs etwas störend wirkte, balancierte die Anstrengung des Aufstiegs mit der erhöhten Körpertemperatur wohltuend aus und erfrischte sogar. 

Die Geschichte des Taktshang-Klosters reicht über 300 Jahre zurück. Es wird gesagt, dass Guru Rinpoche, der Begründer des tantrischen Buddhismus in Bhutan, im 8. Jahrhundert auf dem Rücken einer fliegenden Tigerin an diesem Ort meditiert hat. Aufgrund dieser Legende erhielt das Kloster seinen Namen.

Damit die Muskeln nach der Wanderung entspannen konnten, freuten wir uns auf das nächste wunderschöne Hotel in Paro.  Das Bhutan Spirit Sanctuary. Das Boutique Hotel ist Balsam für die Seele im Neyphu Tal. Das Bhutan Spirit Sanctuary bietet seinen Gästen ein innovatives Wohlfühlkonzept und besticht mit seiner bhutanischen Architektur in Tempel-Optik. 

Von einer atemberaubenden Aussicht auf das Tal bis zur greifbaren Nähe zur Natur bleiben sicher keine Wünsche unerfüllt. Hier fokussiert man sich auf das Hier und Jetzt. Bei einer exklusiven Spa-Anwendung konnten wir neue Energie schöpfen und wurden von Kopf bis Fuß verwöhnt.  Body, Mind & Soul in Reinkultur.


Fazit

Bhutan, Du bist fantastisch. Ich kann jedem nur empfehlen, zumindest einmal im Leben das Land zu bereisen und die Menschen und deren Liebe zur Natur und Tieren kennenzulernen. Gar keine Frage auch Bhutan hat seine Probleme, ist eins der ärmsten Länder der Welt, aber die Menschen sind zufrieden. Wenn sie es wollen würden, könnten sie die ganzen Wälder abholzen oder Bodenschätze abtragen, um auf einen Schlag reich zu werden, aber das kommt für die Menschen nicht in Frage. In mehr als 60% des Landes bleibt die Natur unberührt. Es gibt weder Obdachlose noch Bettler auf der Straße. Jeder hat das Recht auf die gleiche gute Schulausbildung oder gute Gesundheitsversorgung. Vielleicht sollten wir, die großen Industrieländer sich mal ein Beispiel an diesem kleinen Land nehmen.


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