Iran - Land der 1001 Moscheen

Von Axel Duhr |28.08.2008

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Im Land der 1001 Moscheen!
Nur der persische Golf trennt die Arabische Halbinsel vom Iran. Im alten Persien wurde Weltgeschichte geschrieben, und mehrere Jahrtausende hinterließen ihre steinernen Spuren. Weltwunder wie die Säulen von Persepolis oder die türkis glänzenden Kuppeln von Isfahan sind märchenhafte Reiseziele zwischen großartigen Wüsten- und Gebirgslandschaften. 
Ich möchte Sie heute in ein Land der Paradiesgärten und der Poesie mitnehmen - ein Land, das überreich an Kunstschätzen ist und dessen Geschichte bis zu den Anfängen unserer Kultur zurück geht. 
Alle daheim haben mir von dieser Reise abgeraten. Meine Tochter - gerade dreizehn geworden - hatte Sorgen, dass sie mich nie mehr wiedersehen würde. So sehr haben schlechte Nachrichten unser Bild über den Iran beeinflusst. Ich war indessen fest entschlossen, mir selbst ein Bild über das Land zu machen, das zwischen Irak und Afghanistan liegt und von dem man zur Zeit so wenig Gutes hört.

Während des Landeanfluges auf Teheran wird es plötzlich unruhig im Flugzeug: Sämtliche Frauen - Iranerinnen und Deutsche - holen ihre Kopfbedeckung hervor und verbergen ihr Haar unter Kopftüchern. Der erste Eindruck nach der Landung überrascht angenehm: Erst im vergangenen Jahr wurde der Ayatollah Khomeini-Flughafen eröffnet; eine hochmoderne Konstruktion aus Stahl und Glas erwartet einladend die Fluggäste. Eine iranische Mutter mit ihren beiden kleinen Kindern wird freudig von ihrer Familie erwartet: Die Großeltern halten Geschenke bereit; ungeduldig wird auf die noch trennende Glasscheibe getrommelt. Wie bei uns, denke ich und meine Anspannung nimmt nach dieser schon oft erlebten Szene etwas ab. 

Teheran am frühen Abend: Die Stadt ist eine einzige Wüste aus Beton, wenig einladend, mit ungemütlich aussehenden Häusern und Straßen. Im dichten Verkehr der 10 Millionenmetropole kommt man selbst auf den breit angelegten Straßen nur langsam voran. Auf der Fahrt zum Hotel erste Verhaltenshinweise der Reiseleiterin. Ich denke jedoch, es ist überall auf der Welt eine Frage des Anstandes, jemanden um Erlaubnis für ein Foto zu bitten und verständlich ist auch, dass man sich beim Ablichten von Polizisten oder militärischen Einrichtungen zurückhalten sollte. 
Befremdlich ist schon eher, dass sich Männer und Frauen einander zur Begrüßung in der Öffentlichkeit nicht die Hände reichen dürfen. Aber stopp - hatte ich da nicht gerade aus dem Fenster des komfortablen Reisebusses ein junges Pärchen, verliebt händchenhaltend, hergehen sehen, was offensichtlich niemanden gestört hat? Nach dem Abendessen noch ein kurzer Spaziergang im nahegelegenen Park: Jugendliche spielen Fußball, Kinder sind auf der Rollschuhbahn und jeder grüßt sehr freundlich - die Anspannung nimmt weiter ab. 

Von der Bevölkerung des Landes mit über 80 Mio. Menschen ist ein hoher Anteil unter 40 Jahre alt. 1979 erreichte die Revolution mit der Vertreibung Schah Reza Pahlevis und der Rückkehr des Ayatollah Khomeini ihren Höhepunkt. Eine streng religiöse Staatsform, Theokratie genannt, wurde errichtet. Schade nur, so lerne ich, dass die neuen Machthaber ihre Versprechungen alsbald nicht einhielten, die sie vorher abgegeben hatten. Kommt uns das nicht sehr bekannt vor? 80 Prozent der Wirtschaft befindet sich in den Händen religiöser Stiftungen, die von Geistlichen geleitet werden. Mit einem undurchsichtigen Geflecht von Korruption und Vetternwirtschaft gelang es der Machtelite angeblich, bis heute mehr Geld außer Landes zu schaffen als die Familie des Schah bis zu ihrer Flucht. Enttäuscht habe sich das Volk der kulturell so reichen Perser von den Mullahs abgewendet - ja, man verabscheue das Regime regelrecht und wünschte sich lieber heute als morgen eine Alternative. 

Ortswechsel: Der Bus rollt langsam an der Deutschen Botschaft in Teheran vorbei. Mein zaghafter Versuch zu fotografieren, wird von einem bis an die Zähne bewaffneten Wachposten erfolgreich vereitelt. Mit eindeutiger Mimik und entsprechender Handbewegung funktioniert also auch hier nonverbale Kommunikation. 

Die Kunstschätze des Archäologischen Museums in Teheran lassen meine Vorfreude auf die bevorstehenden Tage noch wachsen. Die Jahrtausende alte Geschichte der Hochkulturen Persiens findet man dort eindrucksvoll aufbereitet. Eine nur aus Jungen bestehende Schulklasse zieht ruhig und gesittet an den zahlreichen Exponaten vorbei, immer wieder mit Digital- oder Handy-Kamera fotografierend. Ich überlege, ob das bei uns zu Hause auch so diszipliniert möglich wäre und wundere mich über die modernen Accessoires der jungen Leute. 

Auf dem Weg in den höher gelegenen Norden Teherans lerne ich, dass dort immer schon die Wohlhabenderen gelebt haben (dort ist die Luft besser). Dies ist auch kaum zu übersehen, da sich das Straßenbild merklich verändert. Zunehmend werden Straßen von Bäumen gesäumt, unter denen Luxuskarossen aus deutscher Produktion parken. Auch Geschäfte mit bekannten, westlichen Marken für Mode und Sonnenbrillen fallen auf. Warum die Grundstücke auf einmal so verbarrikadiert sind, frage ich mich. Plötzlich liegt das riesige Palastareal vor mir, das seit den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts von der Herrscherfamilie Pahlevi bis 1979 bewohnt wurde. Die großzügige Parkanlage mit den Palästen ist heute ein beliebtes Ausflugsziel und wird von vielen Familien in deren Freizeit zu Spaziergängen und Besichtigungen genutzt. Ich bemerke, dass immer wieder interessiert unsere Reisegruppe verstohlen betrachtet wird. Umgekehrt ist das Interesse nicht minder groß: Besonders beeindruckt bin ich von vielen Frauen, die ihrer eigenen Interpretation der streng-islamischen Kleidervorschriften folgen und dabei so elegant-aufreizend aussehen, wie man es sich in der deutschen Heimat oftmals wünschen würde. Im Palast werden in mir plötzlich die Bilder wieder lebendig: Der Schah von Persien mit seiner Frau Farah Diba waren in der damaligen Klatsch- und Regenbogenpresse allgegenwärtig und nun stehe ich erst in "ihrem" und dann in "seinem" Schlafzimmer. Ein bisschen Ehrfurcht und auch Mitleid mit dem Schicksal dieser Familie breitet sich in mir spürbar aus. 

Wir verlassen Teheran und fliegen nach Schiras, das im Süden des Landes liegt. Kommt hier etwa die Rebsorte her, aus der dieser weltberühmte, köstliche Rotwein gekeltert wird, frage ich mich, nicht ohne mich über das strenge Alkoholverbot zu ärgern, gegen dessen Verstoß schwere Strafen verhängt werden. Aus dem Fenster des Flugzeugs schweift mein Blick über das karge Hochplateau, das immer wieder von schneebedeckten Bergen unterbrochen wird. Die archaisch anmutende Landschaft besteht zum Großteil aus Stein- und Felswüsten sowie aus Gebirge. Das ganze Land, das im Norden an das Kaspische Meer und im Süden an den persischen Golf grenzt, liegt sehr hoch - zwischen 1.300 und 1.900 m. Ich nehme die starke UV-Strahlung zu spät wahr und der erste Sonnenbrand des Jahres 2006 ist mir sicher. In Schiras fühle ich mich im "richtigen Persien" angekommen, besuche die idyllischen Gartengräber der berühmten persischen Dichter Hafis und Saadi, die im 13. und 14. Jahrhundert lebten. Gerade in der für viele orientierungslosen Gegenwart suchen die jungen Menschen im Iran Halt, Anleitung und Trost in den Lebensweisheiten Saadi´s und viele Menschen zitieren auswendig die wunderschönen Verse Hafis´ aus dem Rosengarten. Beeindruckend präsentiert sich der erste Höhepunkt dieser Reise: Die Königsstadt von Persepolis. Die berühmten Reliefs an den Treppenaufgängen und die Paläste von Darius und Xerxes künden von der 2.500 Jahre alten Geschichte der Perserhauptstadt, von Alexander dem Großen erobert und zum Glück nur teilweise zerstört. Bei der Besichtigung laufen kaum andere Besucher vor die Linse meiner Kamera; kein Souvenirladen stört die mächtige, im Schutze eines Berges auf einer weiten Hochebene gelegenen, meisterhaft komponierten und erstaunlich gut erhaltene Kulisse. Nicht weit davon entfernt befindet sich die Nekropole der Achämenidenkönige mit den Felsreliefs von Naqsh-e Rostam. 
In der Altstadt von Schiras durchstreife ich die Gassen des Basars und bin angenehm erfreut über die Zurückhaltung der zahlreichen Händler. Ich kenne anderes aus der Türkei oder Marokko und fühle mich sehr wohl und stets sicher.  

Die Fahrt geht weiter und in der Stadt Yasd angelangt, erfahre ich Näheres über die Religion der Zoroastrier. Zarathustra war einer der großen Religionsstifter und lebte um 1200 vor unserer Zeitrechnung. Die Religionsgemeinschaft der Zoroastrier zählt heute nur noch etwa 10.000 Anhänger. Erde und Feuer sind ihnen heilig und daher wurden deren Tote bis ins Jahr 1967 auf hoch gelegene "Türme des Schweigens" ins Freie gelegt, damit aasfressende Vögel sich um die sterblichen Überreste kümmern und der Leichnam keinesfalls die Erde beschmutzt. In einem Feuertempel sah ich ein heiliges Feuer, das seit mehr als 1.000 Jahren ununterbrochen brennt. Der mit einer Glasscheibe einsehbare Raum darf nur von einem Priester betreten werden, der einen Mundschutz trägt, denn das heilige Feuer darf niemals verunreinigt werden. Heutzutage werden die Toten auf einem ganz normalen Friedhof bestattet; dabei allerdings in Gräber gelegt, die vorher mit Beton ausgegossen wurden. 
Die mitten in der Altstadt von Yasd gelegene, elegante Freitagsmoschee gilt als das besterhaltene iranische Bauwerk des 14./15. Jahrhunderts. Ihr schmaler, vollständig gefliester Tor-Iwan stellt mit seinen zwei schlanken Minaretten das höchste Moscheeportal des Landes dar. 
Unterwegs sehe ich die Palastruinen von Pasargadae - hier gründete einst Kyros ein Weltreich, das vom Donaudelta bis nach Indien reichte. Beeindruckend bescheiden nimmt sich das Grabmal des ersten, großen Herrschers aus. In der Grabinschrift heißt es: "Mensch - wer du auch sein und woher du auch kommen magst - denn dass du kommen wirst, weiß ich - ich bin Kyros, der den Persern die Herrschaft erworben hat. Mißgönne mir nicht die wenige Erde, die meinen Leichnam bedeckt." Immerhin beendete er die 50-jährige babylonische Gefangenschaft der Juden, wofür Kyros im alten Testament mehrfach gepriesen wurde. Hier kommt es auch zu ersten, direkten Kontakten zu der Bevölkerung. Unvergessen bleibt mir eine Schulklasse Jugendlicher, die - als sie die Reisegruppe erblickte, ihre Lehrer inmitten der Ruinen stehen ließ. Die Gespräche und die Fotos waren doch wesentlich interessanter - was übrigens für beide Seiten galt. Zum Abendessen bin ich in einem zum Restaurant umfunktionierten Bad in einem Kellergewölbe aus dem 18. Jahrhundert. In den Kuppeln sind noch die ursprünglichen Malereien zu sehen; die Gesellschaft vergangener Jahrhunderte erfreute sich offensichtlich beim Bade sehr gerne beim Anblick von Jagdszenen und üppig ausdekorierter Blumenmuster. Ein aufwändig zubereiteter Kuchen aus Reis und gekochtem Fleisch schmeckt köstlich und eine Wasserpfeife lässt die Strapazen des Tages rasch vergessen - ich bin sehr dankbar, das erleben zu dürfen. 

Während der z.T. längeren Busfahrten erfahren wir von der iranischen Reiseleitung, dass Frauen im Iran schrittweise ihre Stellung und ihren Einfluss erweitern. Durch das vergleichsweise hohe Bildungsniveau des Landes gelingt es immer mehr Frauen, nach erfolgreich absolviertem Theologie-Studium die Mullah-Männerdomäne mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Mit unerhörter Zivilcourage erobern sich die Frauen stückweise ihre Selbstbestimmung und Freiheit zurück. Ein Prozess, der andauert und auf dessen Ende ich sehr gespannt bin - überdies ich sehr neugierig darauf bin, wo sich dieses Land in 10 oder 15 Jahren befindet. 

Isfahan ist einer der Höhepunkte meiner Reise. Wie im Märchen aus 1001 Nacht erhebt sich stolz die Kulisse dieser lebhaften Stadt mit ihren türkisblauen Kuppeln und Minaretten. Der Meidan-Platz im Herzen der Stadt, etwa zur gleichen Zeit wie die Schlösser Versailles errichtet, zählt zu den schönsten Orten der Welt, die ich je gesehen habe. Den Platz säumen der Palast Ali-Qapu, die vollständig mit türkisfarbenen Fayencen verzierte Imam-Moschee und die Lotfollah-Moschee. Unvergesslich wird mir ein Mittagessen bleiben, das ich auf der Terrasse im Obergeschoß eines unmittelbar an diesem eindrucksvollen Ort angrenzenden Restaurants einnehme. Ich sitze - ganz in der Tradition der Sultane - auf einem erhöhten Podest, gestützt von zahlreichen Kissen, im Schneidersitz in der warmen Frühlingssonne und verspeise genussvoll ein in Brot gewickeltes Stück gebratenes Hackfleisch - was in etwa entfernt einem Hamburger entsprechen würde. Wenn ich doch nur die Uhr anhalten könnte ! In einem Palast, den ich besichtige, erwarten mich zur großen Überraschung Wandgemälde des 17. Jahrhunderts, die sehr leicht bekleidete junge Damen darstellen. Dies hätte ich in einem islamischen Land niemals erwartet. Somit bestätigt sich, dass wie immer im Leben alles eine Frage der Auslegung ist. Bei einem Spaziergang gerate ich unverhofft in den Vorhof einer kleineren Moschee, in dem gerade ein Gottesdienst statt findet. Sofort kommen mehrere Männer unterschiedlichen Alters hocherfreut auf mich zu und suchen das Gespräch. Flugs wird mir ein Glas Tee besorgt, und ich lerne die Teezeremonie kennen: erst wird eine aus goldfarbenem Kandis bestehende Oblate in den Mund genommen, um anschließend den köstlichen, heißen Tee darüber fließen zu lassen. Der Ältere unter den Männern, ein Englisch-Lehrer, fragt nach meiner Religion und - als ich sagte, ich sei Christ, wurde er nicht müde, immer wieder zu betonen, dass die Iraner ein genau so friedliebendes Volk seien wie wir und dass doch sowieso alle an denselben Gott glauben, der hier nur anders heißt. Ich solle keine Angst haben und die Berichterstattung in unseren Medien differenziert bewerten. Er würde sich darüber freuen, wenn ich meine Erlebnisse weitererzählen würde und damit zu einem anderen Verständnis über den Iran beitragen könnte. Dies ist mein Schlüsselerlebnis der Reise und spätestens jetzt wurden meine Vorurteile durch Verständnis und höchste Wertschätzung für diese Menschen ersetzt. Angefüllt mit Glück über die Erlebnisse des heutigen Tages kehre ich in mein Hotel zurück. Erwähnenswert ist auch die relative Toleranz gegenüber einer anderen religiösen Minderheit, den armenischen Christen in Isfahan. Die durch einen entsetzlichen Genozid aus ihrem Stammland vertriebenen Christen haben in Isfahan eine neue Heimat gefunden und zwei Sitze im iranischen Parlament inne. In diesem Wohnviertel ist wieder sehr auffällig, wie sehr sich die Menschen vor zu neugierigen Blicken von außen schützen. Ich lerne, dass alle wohlhabenden Menschen im Iran so oder ähnlich verfahren und dies nichts Ungewöhnliches ist. 

A pro pos Essen und Ernährung: Die persische Küche ist sehr vielseitig und schmackhaft. Viele frische Salate, Reis in allen Variationen, Fisch, Rindfleisch und Lamm in jeglicher Zubereitungsform - gebraten oder gegart, runden das Speiseangebot ab. Und dann erst das köstliche Gebäck! Überhaupt nicht klebrig-süß, wie ich es eigentlich erwartet hatte. Die Gänge werden leider sehr zügig hintereinander serviert und die Kellner haben nach meinem Verständnis in punkto Service - na, sagen wir mal, noch etwas Schulungsbedarf. Oftmals wirken sie unaufmerksam und müde, was aber daran liegt, dass viele unter ihnen als Zweit- oder sogar als Drittjob in den Restaurants arbeiten. Ein Lehrer beispielsweise verdient im Monat weniger als 300 €. Zu wenig, um die Familie zu ernähren. Thema Alkohol: Auf mein geliebtes Glas Pils oder auch auf einen Wein zum Abendessen muss ich wohl oder übel verzichten. Alkohol ist im ganzen Land streng verboten; auch die Einfuhr wird kontrolliert und hart bestraft. Aber wie immer im Leben, ist das Verbotene besonders reizvoll. So wird berichtet, dass Iraner sehr gesellschaftsfreudig seien und im Privatbereich bei den zahlreich statt findenden Parties Alkohol, und zwar nicht zu knapp, verzehren. Jegliche Alkoholika seien beschaffbar, man müsse lediglich die richtigen Quellen kennen. Angeblich sollen auch die Frauen auf den Parties anders aussehen als in der Öffentlichkeit der Strasse. Nun, für mich blieben die Abende bei Tee, Wasser, Cola und alkoholfreiem Bier doch eher trocken. Ich wundere mich auch nicht mehr darüber, dass allerorten alkoholfreies Dosenbier aus der Produktion einer bekannten dänischen Brauerei ausgeschenkt wurde - als hätten die heftigen Erdbeben der Kulturen wegen der in Dänemark veröffentlichten Mohammed-Karrikaturen nie statt gefunden... 

Die Reise wurde abermals im kleinen Provinzstädtchen Nain unterbrochen. Ich war zu Besuch in einer Familie, die in einer aus zwei Zimmern bestehenden Wohnung lebt. In der Küche steht ein Webrahmen aus dickem, rohen Metallrohr. Hier entsehen also die berühmten Perserteppiche! Die Hausfrau sitzt mit gekrümmtem Rücken täglich ca. 4 Stunden vor dem aufgespannten Teppich auf dem Fußboden und fügt Faden um Faden aus Wolle und kostbarer Seide mit feinsten Knoten zu einem großen Kunstwerk zusammen. Gute Knüpferinnen, so sagt sie, brauchen etwa ein Jahr für einen Teppich dieser Größe, aber sie selber benötige zwei Jahre. Zwei Jahre Arbeit in dieser Haltung, täglich 4 Stunden. Der Lohn: 700-1.000 €. Ihr Mann, ein Arbeiter, ist extra losgegangen, um für den unverhofften Besuch noch rasch Gebäck zu kaufen. Welch großartige, rührende Gastfreundschaft, die mich zum wiederholten Male sehr nachdenklich und bescheiden werden ließ. 

Über Kaschan geht es schließlich zurück nach Teheran, dem Ausgangspunkt meiner einwöchigen Reise in eine zunächst fremde Welt, der ich respektvoll und neugierig begegnet bin und von der ich ebenso dankbar wie aufmerksam aufgenommen wurde. Ich erhielt dabei kleine Einblicke in die Seele eines Landes, das sich eigentlich gar nicht so großartig mit seinen Bedürfnissen und Verhaltensweisen von den westlichen Kulturen unterscheidet. So soll es aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit viele Drogenabhängige geben. Auch Prostitution grassiert im Lande, obwohl (natürlich) strengstens verboten. Wo ein Wille ist... 

Die Wegstrecke von dem im Süden des Landes gelegenen Schiras zurück nach Teheran lege ich in einem neuen und komfortablen Reisebus zurück. Die Streckenführung folgt dabei den uralten Handelswegen der legendären Seidenstraße; uralte, teils verfallene Karawansereien säumen den Weg. Die zahlreichen Eindrücke sind so überwältigend, dass ich immer wieder im Bus kurz einschlafe. Anders der einheimische Busfahrer: Er fährt im Auftrag eines namhaften deutschen Studienreiseveranstalters und unterliegt den deutschen Vorschriften hinsichtlich der Lenk- bzw. Ruhezeiten. Ständig wird die Reisegruppe von dem stets aufmerksamen Begleiter mit Wasser versorgt; mehrfach wird mit köstlichen Kleinigkeiten ein Picknick angeboten. 

Noch lange frage ich mich, was so besonders ist an diesem Land, an das ich so oft zurückdenken muss und an den Menschen, denen ich begegnet bin. Es ist die großartig erlebte Überraschung, wie freundlich und aufgeschlossen die Menschen im Iran sich uns gegenüber verhalten haben. Sie begreifen sich keineswegs nur als Muslime, sondern vor allem auch als Erbe einer einzigartigen, viertausendjährigen Geschichte und Kultur, deren viele noch erhaltenen Zeugnisse sie mit Stolz präsentieren.. Voller Dankbarkeit reflektiere ich diese Woche, die mein Leben bereichert hat, immer wieder. Ich bin sehr sicher, dass dieser Reise in den Iran noch weitere Besuche folgen werden.

  
"Zügle deine Wünsche nach den Dingen dieser Welt
und lebe zufrieden. 
Sage dich los von den Fesseln 
des Guten und Bösen hier auf Erden. 
Nimm den Pokal und spiele
mit den Locken der Geliebten, 
denn schnell vergeht alles 
und wie viele Tage bleiben uns noch ? 
Lass die Traurigkeit dich nicht auslöschen
und eitle Sorgen deine Tage beschweren
Vernachlässige nicht die heilige Schrift, 
die Lippen der Geliebten und die duftenden Gärten, 
bevor die Erde dich in deinen Schoß nimmt."
  
Omar Khayyan, ein Sufi-Dichter aus dem  11. Jh.

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