Baltikum - Rund um die Ostsee

Von Katja Hoff |17.07.2015

Vier Länder in vier Tagen – was auf den ersten Blick nach einer anstrengenden Reise klingt, entpuppt sich schon bald als ausgewogenes Programm. Zwar ist die Anreise von Frankfurt via Riga nach Stockholm für mich als Norddeutsche ein wenig ungewöhnlich, doch an Bord der Air Baltic fühle ich mich wohl und der Umsteigeflughafen Riga erweist sich allen Erwartungen zum Trotz als modernes Drehkreuz mit kurzen Wegen und einer guten Infrastruktur. Beim Landeanflug auf Stockholm beginnt bereits die Abenddämmerung und taucht die schwedische Hauptstadt in wunderbares Licht. Nicht ganz so wunderbar erscheinen mir allerdings die noch vereisten Meeresufer und die zahlreichen noch fast gänzlich gefrorenen Seen – hoffentlich habe ich genug warme Kleidung in meinen Koffer gepackt. Beim Verlassen des Flughafens ist mir erst einmal richtig kalt und etwas wehmütig denke ich daran, dass wir Zuhause gerade die ersten milden Frühlingstage hatten. Die warmherzige Begrüßung im Scandic Hotel Malmen und einen üppiges Abendessen vertreiben dann jedoch schnell jedes Frösteln. Der nächste Tag meint es gut mit uns. Die Luft fühlt sich eher winterlich an, aber die Sonne scheint von einem blauen Himmel auf das Venedig des Nordens herab. Schon bald wird klar, dass Stockholm diesen Beinamen zu Recht trägt, denn die Stadt breitet sich auf 14 Hauptinseln zwischen Ostsee und Mälarensee aus und überall ist man dem Meer ganz nah. Nur der Charme der Stadt ist alles andere als morbide. Alles wirkt ordentlich und sauber und insbesondere die bunten Häuser der Altstadt auf der Insel Gamla Stan wurden liebevoll restauriert. Es scheint, als hätte ein weltberühmtes schwedisches Möbelhaus die eine oder andere Einrichtungsidee geliefert. Die Stadtrundfahrt führt uns auch zum Vasa-Museum auf der Insel Durgarden, die außerdem den Vergnügungspark Gröna Lund beherbergt und in früherer Zeit als königliches Jagdrevier mit exotischen Tieren diente. Aus früheren Zeiten, genauer gesagt aus dem Jahre 1628, stammt auch die „Vasa“, die dem Museum seinen Namen gab. Leider wurde das stattliche Kriegsschiff ein wenig zu hastig gebaut, die Statik zugunsten einer prunkvollen Erscheinung vernachlässigt, was dazu führte, dass die „Vasa“ zwar glücklich vom Stapel lief, auf ihrer Jungfernfahrt jedoch nach weniger als einer Seemeile voll Wasser lief und sank. Erst im Jahre 1956 wurde das Wrack wieder entdeckt und fünf Jahre später gehoben. Das Museum wurde eigens für die „Vasa“ erbaut und ist unbedingt einen Besuch wert. Ein Schiff ist dann auch das Transportmittel, welches uns über Nacht in die finnische Hauptstadt Helsinki bringt. Die Fähre der Viking Line startet nahezu mitten im Zentrum von Stockholm und an Deck bietet sich ein wirklich beeindruckender Blick zurück auf die schönste der nordischen Hauptstädte. Vorbei an unzähligen Landzungen und kleinen Inseln mit hübschen Häusern nähern wir uns dem offenen Meer. Ich bin ein wenig nervös, da ich schon oft seekrank geworden bin, doch hier kommen mir die niedrigen Temperaturen zu Hilfe: Die Ostsee, die aufgrund ihrer kürzeren Wellen ohnehin als recht magenfreundlich gilt, ist noch fast gefroren und so wird unsere Fähre beinahe zum Eisbrecher. Das Kratzen des Eises an der Bordwand ist zunächst etwas ungewöhnlich, dafür ist die nächtliche Überfahrt aber unerwartet ruhig. Und zum Frühstück genieße ich die Aussicht auf die im Morgenlicht glitzernden Eisschollen. Jetzt noch ein paar Pinguine und ich würde mich fühlen, wie auf einer Polarexpedition. Helsinki erwartet uns ebenfalls mit kaltem, sonnigen Wetter und auch hier befindet sich das Fährterminal mitten in der Stadt. Allmählich wird mir ein wichtiger Aspekt von Kreuzfahrten bewusst: Die Ankunft per Schiff im Zentrum einer Stadt ist einfach viel schöner, als eine Landung auf einem oft meilenweit entfernten Flughafen! Der Rundgang durch Helsinki führt uns in die belebte Markthalle und natürlich zur imposanten Domkirche. Vor der großen Treppe liegen letzte Schneehaufen und ich hoffe, dass sich das festlich, aber viel zu dünn gekleidete Hochzeitspaar, welches gerade auf dem Weg zum Altar ist, am schönsten Tag des Lebens keine Lungenentzündung holt. Die frühen Nachmittagsstunden verbringen wir mit einem Bummel durch die geschäftige Innenstadt. Es scheint, als würden die Menschen nach dem langen finnischen Winter die Frühlingssonne ganz besonders genießen. Später gehen wir erneut an Bord einer Fähre, die uns in knapp zwei Stunden hinüber in die nur 85 km entfernte Hauptstadt Estlands bringt. In Tallinn kommen wir ebenfalls direkt vor den Toren der historischen Altstadt an. Dorthin führt dann auch ein abendlicher Spaziergang, der mit einem leckeren und unterhaltsamen „Kaufmannsmahl“ im Restaurant „Olde Hansa“ endet. Satt und zufrieden falle ich in mein Bett im von Grund auf renovierten Radisson Blu Hotel Olümpia, das von außen betrachtet zwar keine Schönheit ist, im Inneren jedoch alle Annehmlichkeiten eines modernen 4-Sterne-Hauses bietet. Den nächsten Vormittag verbringen wir mit einem Rundgang durch die mittelalterliche Altstadt Tallinns, die mit Ihren Stadtmauern, Türmen und aufwändig sanierten historischen Bauwerken 1997 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Kaum ein modernes Element stört den Blick und so komme ich mir beinahe vor, wie auf einer Zeitreise zurück ins Mittelalter. Die letzte Hauptstadt unserer Reise erreichen wir per Bus. Bevor wir jedoch in Riga ankommen, halten wir auf halbem Wege in Pärnu, der Sommerhauptstadt Estlands. Zu dieser Jahreszeit müssen wir uns den Weg zum langen Sandstrand zwar noch durch die Reste riesiger Schneehaufen bahnen, trotzdem lässt sich ahnen, wie herrlich es sein muss, sich an einem heißen Sommertag in der Ostsee abzukühlen. Statt weiterer Abkühlung bekommen wir im Hotel Villa Ammende einen heißen Kaffee und leckeren Kuchen serviert und genießen die wunderbare Atmosphäre dieses ganz im Jugendstil erhalten gebliebenen Hauses. Während der Weiterfahrt nach Riga zieht grau-braune Spätwinterlandschaft an uns vorbei. Mein Gehirn schaltet auf Sparbetrieb bis plötzlich jemand ruft: „Da ist ein Elch!“ Und tatsächlich steht am Fahrbahnrand ein stattliches Exemplar. Das Tier scheint darauf zu warten, dass unser Bus vorüber fährt, damit es gefahrlos die Straße überqueren kann. Ich habe Glück mit meinem Sitzplatz in den hinteren Reihen und kann zuschauen, wie der Elch über die Fahrbahn trottet und rasch wieder im Wald verschwindet. In der lettischen Hauptstadt Riga angekommen, beziehen wir unsere Zimmer im Radisson Blu Latvija Hotel, welches verkehrsgünstig am Rande der Altstadt gelegen ist. Nach einem leckeren Büffet im Hotel-Restaurant geht der Abend in der gut besuchten Skyline-Bar mit traumhafter Aussicht auf die Stadt zu Ende. Fast zu Ende ist am nächsten Morgen auch unsere Reise. Bevor uns die Air Baltic aber von Riga zurück nach Frankfurt fliegt, steht noch ein ausführlicher Rundgang durch die wunderbar restaurierte Altstadt, die ebenfalls zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört, auf dem Programm. Außerdem besuchen wir das nördlich der Altstadt gelegene berühmte Jugendstilviertel, das neben Wien, Paris und Barcelona zu den Zentren dieser Bauart gehört. Überhaupt scheint Riga von allen diesen Städten etwas in sich zu vereinen und schnell wird klar: Ich möchte wiederkommen – vielleicht im Sommer, um an einem lauen Abend in einem der zahlreichen Cafes oder Restaurants zu sitzen….

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