Auf Traumpfaden durch das Northern Territory

Von Axel Duhr |27.04.2010

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Auf Traumpfaden durch das NORTHERN TERRITORY. Willkommen in Australia´s Outback!  

Alles andere als spektakulär nahmen Australien und ich Kontakt miteinander auf. Obwohl der Flug von Deutschland über Singapur mit dem Ziel Darwin im Norden des Kontinents am schnellsten von allen anderen Zielen in Australien geht, so bleibt es doch eine verdammt lange Zeit, die man im Flieger verbringt. Bei Qantas kann man immerhin gegen einen geringen Aufpreis Notausgang-Sitze reservieren. Gespannt starre ich also während des Landeanfluges in die Finsternis, denn die Ankunft ist für 2.30h Ortszeit in Darwin vorgesehen. Erste Lichter sind zu erkennen, im fahlen Licht taucht nun die Küstenlinie auf und unmittelbar dahinter traue ich meinen Augen kaum: Groß und leuchtend-gelb strahlt ein großer Buchstabe - Logo einer weltweiten Schnellrestaurant-Kette in den Nachthimmel. Australien - ich bin bereit, Dich zu entdecken. 
Schneller als erwartet durchläuft man die verschiedenen Stationen bei der Einreise. Aus Sorge vor der Einschleppung von Krankheitserregern und Seuchen dürfen keine landwirtschaftlichen Produkte ins Land gebracht werden. Wer also die obligatorischen Fragen auf der Einreisekarte ehrlich beantworten möchte, sollte tunlichst einige Wochen vor der Reise keinen Kontakt mit landwirtschaftlichen Betrieben gehabt haben.
Gegründet im Jahre 1869, leben heute etwa 110.000 Einwohner in Darwin, davon sind ca. 10.000 Aborigines. Damit ist sie die mit Abstand größte Stadt des Bundesstaates "NT", wie die Aussis liebevoll den Namen Northern Territory abkürzen. "NT" steht daneben aber auch für "no time", "not today", "not tomorrow", "not tuesday" - eine sehr beliebte Form der unkonkreten Zeitangabe, die einem gerade angereisten, endgestressten Westeuropäer noch etwas fremd ist. Insgesamt leben in der riesigen Ausdehnung von 1,35 Mio km² außerhalb Darwins nur 90.000 Menschen; da hat jeder theoretisch sehr viel Platz um sich herum.
Wer zufällig den Kinofilm "Australia" mit Nicole Kidman gesehen hat, wird sich erinnern, dass Darwin im 2. Weltkrieg einem brutalen Angriff der Japaner zum Opfer fiel. Es war übrigens die gleiche Fliegerstaffel, die auch die amerikanische Pazifikflotte in Pearl Harbour auf Oahu/Hawaii in Schutt und Asche legte und nun 1942 die kleine Garnisonsstadt an der Nordküste Australiens mit 6.000 Einwohnern in nur 45 Minuten mit 64 Angriffswellen nahezu dem Erdboden gleich machte. Was von den einst im Kolonialstil errichteten, historischen Sandsteingebäuden noch übrig blieb, ist im Laufe der Stadtgeschichte durch drei schwere Zyklone zerstört worden - zuletzt am Weihnachtstag 1974 durch Zyklon "Tracy". 

Das ist ein gutes Stichwort zur Überleitung auf das Wetter und auf die Jahreszeiten. Im Prinzip gibt es dort nur zwei wesentliche Jahreszeiten, die zu beachten sind: Man spricht hier von der "wet season", die Ende März/Anfang April endet und von der "dry season", die bis August/September anhält. Aborigines unterscheiden zwar noch weitere Zwischenstufen, die jedoch für unsere Reiseplanung nicht von großer Bedeutung sind. Da wir uns in Darwin bis weit ins Landesinnere hinein in den Tropen befinden, hat man hohe Tagestemperaturen und eine immense Luftfeuchtigkeit. Fotografen ärgert dabei ständig die beschlagene Optik in den Kameras. Bis Mittag ist es meist sehr schön, dann ziehen Wolken auf und es gibt Gewitter und sintflutartigen Regen ab dem späten Nachmittag. Warme Kleidung kann man also getrost zu Hause lassen. In dieser Jahreszeit wächst, blüht und gedeiht alles; das Auge kann sich kaum satt sehen an den zahlreichen Grüntönen und an der Farbenpracht, mit der die Vegetation den Betrachter erfreut. In der "dry season" ist es dann genau anders herum - ausgetrocknet und verdorrt und nachts kann es empfindlich kühl werden. Die "wet season" auch liebevoll "suicide-season" genannt, weil den Menschen das feucht-heiße Klima auf den Nerv geht mit der Folge der höchsten Selbstmordrate in den Monaten Oktober/November...

Von Darwin aus gut erreichbar liegen zwei Nationalparks, deren Besuch sich unbedingt lohnt. Es sind zum einen der südlich gelegene Litchfield (auch "snake country" genannt) und etwas weiter in östlicher Richtung der Kakadu Nationalpark. Letzterer ist der größte und auch bedeutendste Nationalpark Australiens; ein atemberaubendes Naturparadies und eine Schatzkammer der jahrtausendealten Aborigines Kultur warten hier auf den Reisenden. Der Litchfield Park ist für seine riesigen Termitenhügel bekannt. Bewundernswert, was diese winzigen, genialen Baumeister zustande bringen. Das Fundament einer Hügelkolonie ist schnell gelegt, aber für eine Höhe von 1 m brauchen die Tiere bereits bis zu 10 Jahre. Hier lernt man anschaulich, dass ähnlich wie bei einem Eisberg nur 1/3 des Bauwerks oberirdisch sichtbar sind und 2/3 unter der Erde liegen. Die Gänge der nur 3 mm kleinen Tiere befinden sich in einem Umkreis von bis zu 15 m um die Kolonie und das Baumaterial besteht aus einer extrem widerstandsfähigen Mischung aus Erde, Speichel und Kot. Überraschend ist auch die Tatsache, dass es zwei verschiedene Architekturen von Termitenhügeln gibt: Zum einen die Rundbauten, die immer an einem Baum angelegt werden und 2. diejenigen, welche in einer absolut exakten Nord-Süd-Ausrichtung gebaut werden. O terra incognita, möchte man laut ausrufen ! Eukalyptus- und Chininbäume wachsen hier wie Unkraut; das Holz des Eukalyptusbaumes wird zur Herstellung von Didgeridoo´s verwendet, die man in jedem Souvenirladen kaufen kann. 
Tosende Wasserfälle und eine in der zu Ende gehenden "wet season" geradezu berauschende Flora und Fauna gewähren dem Besucher einen unvergesslichen Einblick in unberührte Naturschauspiele. Landschaftlich zeichnet sich der Litchfield Park durch üppige tropische Vegetation, Steilwände aus Sandstein und Regenwald aus. Es lohnen sich Abstecher zu den 96m hohen Tolmer Falls bzw. zu den Wangi Falls, deren Wasser spektakulär donnernd in die Tiefe tosen. Als Erfrischung dienen vielen Besuchern die leider auch nicht wirklich kühlen Pools der Buley Rock Holes. Dies ist ein kleinerer Fluss, der sich in Kaskaden durch die Gegend schlängelt und in dessen Bassins man wirklich prima baden kann. Ortsfremden Besuchern sei dringend geraten, Hinweistafeln sehr ernst zu nehmen, die vor Krokodilen warnen und sich nur in ausgewiesenen Pools zu erfrischen. In den Gewässern des von der UNESCO als Weltkultur- und Naturerbe ausgezeichneten Kakadu Nationalparks Parks lebt die weltweit höchste Konzentration der gefährlichen Salzwasserkrokodile. Ausgewachsene Tiere erreichen eine Länge bis zu 6,5 m und aufgrund der Überschwemmungen und der starken Regenfälle befinden sich diese "floating handbags" auch gerne in den ansonsten bei Touristen zum baden so beliebten "Waterholes", die aus Sicherheitsgründen nun natürlich geschlossen sind. Kennen Sie den Unterschied zwischen Krokodilen und Alligatoren? Krokodile erkennt man daran, dass ihre Zähne aus dem Maul herausragen. Diese "instinct killer" sind genetisch auch deutlich älter als ihre Verwandten aus den USA. Aufgrund der Reptiliengefahr sind leider einige Trails und einige Straßen unpassierbar, so dass beispielsweise die berühmten Felsmalereien der Aborigines in Ubirr leider vom Reiseplan gestrichen werden mussten. Aber da es zahlreiche heilige Orte mit den bis zu 20.000 Jahren alten Felsmalereien gibt, geht die Fahrt weiter zu den nicht minder bekannten Malereien am Nourlangie Rock. Man hat herausgefunden, dass die Ureinwohner - da sie nicht schreiben konnten, alle möglichen Hinweise oder auch Geschichten auf den Fels gemalt haben, so wie beispielsweise in dem einen Fall von Inzest, der damit endet, dass der Mann von einer Klippe springt und seine gerechte Strafe für sein Fehlverhalten bekommt. Die Aussicht vom Felsplateau über Feuchtgebiete und dramatische Felsformationen ist atemberaubend. Wissenschaftler fanden außerdem noch heraus, dass die ersten "Ausländer" bereits vor etwa 2.500 Jahren aus Sulawesi/Indonesien hier her kamen und nach langer Pause erst wieder ein Holländer im 17. Jahrhundert. Daran erinnert auch die Bezeichnung des östlich anschließenden Landstrichs, den man "Arnhem Land" nannte. 
Am südlichen Ende des Kakadu Parks schließt sich der deutlich kleinere Nitmiluk- oder auch Katherine Gorge Nationalpark an. Ein Höhepunkt ist dort eine Bootsfahrt auf dem Yellow waters Billabong mit seiner exotischen Tier- und Pflanzenwelt; der Park ist gerade Ende März besonders grün. Erst vor wenigen Jahren übrigens wurde das Land ihren ursprünglichen Besitzern, den Aborigines, zurückgegeben. In dieser Region befinden sich Bodenschätze und es wurde im 19. Jahrhundert damit begonnen, Kupfer, Gold und Uran abzubauen. Die Minengesellschaften engagierten damals die "Indigenous People" - den Begriff hört man hier sehr häufig und damit sind natürlich die indigenen Menschen - Aborigines, gemeint. Als Bezahlung konnte man ihnen jedoch kein Geld geben - was sollten diese Menschen denn auch mit Papier und harten Talern anfangen? Statt dessen gab man Ihnen Opium als Lohn und das war der Anfang vom Ende. In den 70 er Jahren starb der letzte Angehörige eines von etwa 100 Stämmen aus dieser Region und damit war deren eigener Dialekt, deren überlieferte Geschichte und Geheimnisse für immer unwiederbringlich verloren. Eines von vielen dunklen Kapiteln in der jüngeren Geschichte Australiens.

Viele Aborigines leben noch heute unter schwierigen Verhältnissen ohne Arbeit. Einige Gemeinschaften haben ihr Schicksal in die Hand genommen haben, indem sie ihre Nationalparks bewirtschaften, traditionelle Handwerkskunst pflegen und somit ihr Leben sinngebend gestalten. Als Arbeitgeber stehen dagegen nur wenige, dafür aber riesengroße Viehzucht-Farmen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Diese Betriebe brauchen aber leider nicht viel Personal - ein Stück Vieh benötigt zu seiner Versorgung 1 km² Fläche - es versorgt sich weitgehend selber. Leider trifft man im Straßenbild häufig verwahrlost anmutende Einheimische an - vorzugsweise in Casinos und in heruntergekommenen Kneipen, wo sie ihre Transferleistungen, die sie vom Staat erhalten, wieder an denselben zurück geben. Es versteht sich von selbst, das Fotoverbot allein schon aufgrund der Achtung der Menschenwürde zu respektieren. Man nennt die Ortschaft Katherine auch die Stadt der entwurzelten Aborigines: Noch in den 60er Jahren hat man den Familien die Kinder weggenommen und in zentrale Schulinternate umgesiedelt - weit weg von ihrer traditionellen Kultur, ihrer Sprache und ihrer Heimat. Wenn man sich vor Augen hält, dass ganz Europa locker in den australischen Kontinent hineinpasst und wenn im Vergleich ein Kind aus Portugal plötzlich in Polen zur Schule muss, dann kann man die Dimension einer solchen Handlungsweise und die Folgen erahnen, die jene verlorene Generation mit sich bringt. 

Nahe der Kleinstadt Katherine befindet sich die majestätische "Katherine Gorge", ein System mehrerer hintereinander liegender Schluchten mit atemberaubenden Perspektiven. Man fährt ein Stück im Boot bis zu einer unpassierbaren Stelle, geht ein Stück und besteigt erneut ein anderes Boot und es geht weiter - vorbei an einer Stelle, an welcher der Sage nach die in der Aborigine-Kultur bedeutsame Regenbogenschlange das Wasser erreicht hat. Ein einheimischer Künstler, Albert Namatjira, erhielt in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts eine Einladung der London Gallery, um seine inzwischen weltberühmten Aquarelle auszustellen. Natürlich hatte der Mann keine Ahnung von Bürokratie, ging zum Flugplatz und wollte nach London aufbrechen. Am Flughafen sagte man ihm, ohne einen Pass könne man ihn leider nicht ausreisen lassen. Namatjira sagte in London Bescheid, dass er jetzt noch nicht kommen könne, da er erst einen Pass beantragen müsste. Als er das bei der Behörde erledigen wollte, da verweigerte man ihm den Pass mit der Begründung, dass per Gesetz Aborigines nicht als Mensch, sondern als "Flora und Fauna" klassifiziert seien und "Flora und Fauna" könne man nun mal keinen Pass ausstellen. Namatjira war der Erste, der erfolgreich gegen dieses Gesetz klagte und als Aborigine einen Pass erhielt, mit dem er nach England ausreisen konnte. Selbst die Queen war von seiner Kunst so beeindruckt, dass sie ihn zum Dinner einlud. Wohlgemerkt: Diese wahre Geschichte ereignete sich in der so genannten zivilisierten Welt vor gerade einmal 40 Jahren!

Der Weg führt weiter den Stuart Highway südwärts durch winzige Ortschaften; man sieht immer wieder die legendären "Road-Trains" - Zugfahrzeuge, an denen mehrere Anhänger hintereinander gekuppelt sind und die eine Gesamtlänge von bis zu 54 m erreichen können. Der wesentliche Teil des Gütertransports wird damit durchgeführt. Australier lieben Superlative und so gibt es in Daly Waters neben dem ältesten Pub im Northern Territory gleich auch den ersten internationalen Flughafen Australiens. Das kommt daher, dass die früheren Maschinen von Singapur über Darwin kommend, aufgrund ihrer geringen Reichweite nachtanken mussten und dies eben in dieser gottverlassenen Gegend erledigt haben. Somit war Daly Waters der erste australische Boden, den internationale Fluggäste berührten. Einen kurzen Abstecher lohnt auch der berühmte Outback Pub in Daly Waters. Im Western/Gtoldgräber-Stil in den 1930 er Jahren errichtet und bis heute nahezu unverändert, hat vermutlich jeder der insbesondere weiblichen Gäste ein sehr persönliches Souvenir in Form eines Wäschestücks dort zurück gelassen. Das ganze Haus scheint nur noch von den Nägeln und Heftzwecken zusammen gehalten zu werden. 

Ein weiteres Stück australischer Geschichte ist in Barrow Creek erhalten geblieben. Hier sieht man ein Original Teilstück der Telegrafenleitung, die Adelaide mit London verband. Australiens Isolation vom Rest der Welt endete 1872, nachdem ein einziges Stück Draht durch den Kontinent gezogen wurde. Diese Leitung war 3.000 km lang (und im australischen Superlativ wieder mal die längste jemal auf der Welt gebaute Leitung); sie öffnete den Weißen das Zentrum des Landes zur Besiedelung. Wir sehen hier eine Relaisstation, welche die Ferngespräche auf ihrem Weg nach England verstärkt hat. Die Leitung war bis zum Jahr 1935 in Betrieb. Zur Versorgung der Baustelle mit allen nötigen Materialien nutzte man afghanische Kamele als Lastenträger; nachdem das gigantische Bauvorhaben beendet war, benötigte man die Tiere nicht mehr und entließ sie in die Freiheit. Daraus hat sich inzwischen eine Population von geschätzten 750.000 Tieren entwickelt, die heutzutage als Wildtiere gefangen und wieder nach Afghanistan zurückverkauft werden. Für die Erforschung der geologischen Voraussetzungen und für die Streckenfestlegung benötigten die Pioniere und Ingenieure insgesamt 10 Jahre und 3 Anläufe in der Vorbereitung dieses ehrgeizigen Projektes. Aber auch hierzu gibt eine wenig ruhmreiche Begebenheit: Das Bedienungspersonal der Relaisstation Barrow Creek nutzte eine den Eingeborenen heilige Wasserstelle - sie wurden mehrmals friedfertig gebeten, eine andere, vorhandene Wasserstelle aufzusuchen. Nachdem man sich weigerte, zwang der Glaube die Aborogines dazu, die Fremden mit Gewalt daran zu hindern. Leider wurden dabei zwei Weiße getötet, es konnte jedoch noch ein Notruf abgesetzt werden. Zwei Wochen später erschienen 70 berittene und bewaffnete Ordnungskräfte, trieben 2.000 Männer, Frauen und Kinder zusammen und erschossen sie allesamt. Auch heutzutage sprechen die weißen Australier völlig unverkrampft und ohne schlechtes Gewissen hinsichtlich der political correctness von "black fellow" bzw. "white fellow".

Zum Sonnenaufgang lohnt in der Nähe der Stadt Ti Tree ein Abstecher zu den "Devils Marbles". Hierbei handelt es sich um einzigartig geformte und balancierte, rundgeschliffene Granitkugeln. Nach dem Glauben der Ureinwohner sollen diese Riesensteine die Eier der Regenbogenschlange darstellen, die sie dort abgelegt hat. Nahe Ti Tree liegt eine große Farm mit Obstplantagen, welche Alice Springs mit Früchten versorgt. Ursache für diese geologisch besondere und daher in dieser Gegend unerwartete Fruchtbarkeit des Bodens ist Vulkanboden. Das bedeutet für die in dieser Region lebenden Menschen Vollbeschäftigung und das sieht und spürt man auch: Die Aborigine-Einwohner vermitteln beim Anblick nicht nur eine viel positivere Ausstrahlung, sondern die Umgebung ist insgesamt viel freundlicher und nicht so abweisend bis teilweise sogar abstoßend wie es mir in Katherine ergangen ist, wo man froh war, die Stadt wieder verlassen zu können.

Dass die Australier gerne Bier trinken, BBQ zu ihren Lieblings-Freizeitbeschäftigungen zählt und sie so gerne alles abkürzen (wie z.B. der Name des Luxuszuges "Ghan", der das Landesinnere durchquert und von "Afghan" - also der Arbeiterschaft stammt, die zum Bau der Telegrafenleitung engagiert wurde), lernt man schnell. Aber auch, wie verrückt die mitunter sein können, wie ein Pinkelstopp längs des Stuart Highway in der Ortschaft Wycliffe Well belegt. Um diesen Ort herum wird bereits seit Jahrzehnten die häufigste Dichte an UFO-Sichtungen registriert. Ein paar geschäftstüchtige Leute haben das Thema kommerziell weiterentwickelt und so findet einmal jährlich in Wycliffe Well eine der weltgrößten UFO-Conventions der Welt statt (wieder ein speziell australischer Superlativ). Naja, vielleicht ist es auch die größte UFO-Convention in Australien. Zu übersehen ist dieser Ort jedenfalls nicht, wie die stolz präsentierten Gerätschaften und Graffiti um die Tankstelle herum eindrucksvoll belegen.

Kurze Zeit später passiert man längs des Stuart Highway den Wendekreis des Steinbocks und wechselt von den Tropen in die subtropische Region. Wenig später erreicht man die Hauptstadt des "Red Centre", Alice Springs. Die in der Dry season von der Sonne ausgedörrte Stadt mit ihren flachen Gebäuden duckt sich hinter einer der vielen Einschnitte der Mac Donnell Ranges. Diese Felskämme aus nahezu senkrecht stehenden Gesteinsschichten wirken wie ein Schutzwall gegen die endlose Weite des Outback. Geht man mit dem Helikopter in die Luft, kann man die Lage der Stadt mit der sie umgebenden, einzigartigen Topografie sehr gut erkennen. Hier befindet sich auch die größte Kommunikations- und Überwachungsbasis der Amerikaner im asiatisch-pazifischen Raum. Den beschaulichen Flughafen von Alice Springs erreicht man, wenn man einen Einschnitt durch den Mac Donnell durchquert. Und auch hier hat man eine Abkürzung für diese Stelle gefunden: "Triple R", was soviel bedeutet wie "Road-River-Railway"... Sehr empfehlenswert ist in Alice Springs auch ein Besuch in einem der traditionellen Restaurants, wie z.B. dem "Overlanders Steakhouse". Neben herrlichen Steaks in erstklassiger Qualität kann man Kurzgebratenes von heimischen Tieren verkosten, wie z.B. Krokodil, Kanguru, Kamel oder Emu. Der Wirt des Lokals spielt nach dem Essen die Hymnen aller anwesenden Nationalitäten ein und hält lustige Liedtexte und bubble-boards zum mitmachen bereit. Den Abend kann man fröhlich in einer der zahlreichen Bars ausklingen lassen.

Allmählich nähert sich die Reise ihrem Höhepunkt, denn es liegen nur noch etwa fünf Fahrstunden zwischen Alice Springs und dem Uluru - Kata Tjuda Nationalpark mit ihren weltberühmten Felsen. Inzwischen ganz im "Red Centre" angekommen, ist die satte Grünfärbung der Landschaft einer archaisch anmutenden, trockenen Sand- und Steinwüstenlandschaft gewichen. Charakteristisch ist die Leuchtkraft des orange-roten Sand- Fels- und Steinbodens, der sich bis zur Unendlichkeit auszubreiten scheint. Schnurgerade westwärts zieht sich das geteerte Band der einzigen Straße, bis sich schemenhaft ein großes Felsmassiv in die Aufmerksamkeit schiebt. Aber nein, es ist nicht der Ayers Rock, sondern der Mount Connor, der schon so häufig mit dem eigentlichen kulturellen Wahrzeichen Australiens verwechselt wurde. Das Felsmassiv befindet sich im Privatbesitz eines Farmers und es wird von Reisenden berichtet, die davon aus der Ferne Fotos machten und wieder nach Alice Springs zurückkehrten im Glauben, den Ayers Rock gesehen zu haben. 

Das Gebiet des Uluru - Kata Tjuda Nationalparks - seit Urzeiten heilige Stätte - wurde erst im Oktober 1985 ihren wahren Besitzern, den Ureinwohnern, zurück gegeben. Ein großer Fels in Uluru,steht viele tausend Jahr -Und niemand weiß so recht wozudie Träume werden wahr.Es führt ein weiter Weg dorthin - der Seele tiefster Grund. "Nur einer weiß, wieso ich bin -doch sag, was spricht der Mund?
Menschen kommen, Menschen gehen, bis an´s Ende uns´rer Zeitdoch ich ? ich werd ihn heut noch seh´nUluru ? bist nicht mehr weit."

Schon während der Fahrt dorthin ist eine seltsame Erregtheit bei den Mitreisenden zu spüren. Ich bin mir sicher, dass dies nicht auf Einbildung zurückzuführen ist. So ist mir beispielsweise das vorstehende Gedicht auch spontan im Bus in den Sinn gekommen. Selbst der kritischste und unsensibelste Mensch vermag sich der eigentümlichen Ausstrahlung dieses Fleckens Erde nicht zu entziehen. Wie von selbst richten sich alle menschlichen Sinne darauf aus, einen tiefen Blick in sein Innerstes zuzulassen. An keinem anderen Ort der Welt gelingt dieser Blick in das Spiegelbild der eigenen Seele so gut wie dort. Irgendwann dort geschieht es mit Jedem; der Impuls, der einen sein eigenes Buch aufschlagen lässt, kann vielfältig sein, z.B. beim Anblick des Uluru bei Sonnenaufgang oder -untergang, beim Durchwandern der grandiosen Schluchten der Kata Tjuda-Felsformationen, beim Betrachten der Unendlichkeit des funkelnden Sternenhimmels... - die unerledigten Rechnungen seines eigenen Lebsns vor Augen, lässt die Menschen nach dieser einzigartigen Selbsterfahrung ein gutes Stück demütiger und sehr nachdenklich wieder in die heutige Welt zurück. Wofür man hierzulande bei so genannten Spezialisten sehr viel Geld bezahlen muss, erhält man während seiner Australien-Reise einfach so als kostenlose Zugabe...

Die Unterbringung im Uluru - Kata Tjuda Nationalpark erfolgt in einem zu mehreren Hotels zusammengefassten Komplex, der den Namen Ayers Rock Resort trägt. Ob im exklusiven Zelt mit zu jeder Tageszeit unverstelltem Blick auf den Uluru, im luxuriösen Fünf-Sterne Resort oder in der einfachen Herberge - für den anspruchsvollen Reisenden bis zum Backpacker, vom Selbstfahrer bis zum Camper - es sind alle denkbaren Unterkunftsmöglichkeiten dort vorhanden. Der Reisende sollte mindestens einmal einen Sonnenaufgang am Uluru miterlebt haben und - ja nach körperlicher Verfassung - den Felsen auf seinen insgesamt 9,5 km auf einem ein sehr leicht zu bewältigenden, gepflegten Weg umrunden. Es gibt auch die Möglichkeit, den Berg zu erklimmen, doch das sollten sich nur Besucher zutrauen, deren körperliche Verfassung einwandfrei ist und die über eine hervorragende Kondition verfügen. Zudem entscheiden die Park Ranger, ob man hoch darf, denn sie öffnen den Zugang nur bei entsprechenden Windverhältnissen. Jährlich ereignen sich mehrere Todesfälle durch Abstürze, obwohl der größte Teil des Wegs durch einen Handlauf gesichert ist. Die deutsche Repräsentantin des Northern Territory, die ihren Sitz in Frankfurt hat, riet übrigens dringend davon ab, Mauerspecht zu spielen und Steine von dort mit nach Hause zu nehmen: Sie bestätigte, dass ihr Büro jährlich zahlreiche Pakete mit Steinen vom Uluru erhält, aus deren Begleitbriefen hervorgeht, dass ihren Absendern bzw. deren Angehörigen nach Heimkehr schlimme Unglücke wie z.B. Krankheit oder Todesfälle widerfahren sind. Also: Steinchen besser liegen lassen! Besonders erwähnenswert ist der Sternenhimmel im Outback, dessen ungetrübter Anblick durch kein Streulicht einer nahen Großstadt gestört wird. Keinesfalls darf man sich ein solch einzigartiges Naturschauspiel entgehen lassen. Man kann das stilvoll im Rahmen eines "Sound of Silence" -Dinner machen; die stilvolle Bewirtung erfolgt im Freien in den Dünen mit Blick auf Uluru und Kata-Tjuda-Felsen. Wenn dann nach Sonnenuntergang das Sternenfirmament der südlichen Erdhalbkugel aufzieht, vergisst jeder sein Dessert und bestaunt ungläubig, was ihm die Schöpfung präsentiert; man kann sich nicht satt sehen an den Millionen wie Diamanten funkelnden Sternen. Diese Erfahrung zählt zu meinen persönlichsten, schönsten und nachhaltigsten Erlebnissen der gesamten Reise.

Wehmütig und mit dem Herzen voller Dankbarkeit für die Erlebnisse der vergangenen, wunderbaren Tage sitze ich gedankenverloren im kleinen Flughafen von Ayers Rock und warte auf die Abfertigung des Fluges nach Perth in Westaustralien. Man sagt auch scherzeshalber, es handele sich hierbei um die einsamste Großstadt der Welt, denn Perth liegt von anderen Metropolen völlig isoliert. Doch zunächst muss man mit dem Schock des Wiedereintritts in die Hektik einer Millionenmetropole klar kommen. Der Flugreisende ist aufgefordert, die strengen Quarantänevorschriften für bestimmte Lebensmittel - auch für solche, die aus dem eigenen Lande stammen, peinlich genau beachten. Spezielle Hundeführer fahnden in der Gepäckausgabe am Flughafen nach vergessenem Obst in den Rucksäcken der Reisenden. Genau wie bei erfolgreich erwischten Drogenschmugglern freuen sich die Hunde, wenn sie nach der Entdeckung eines Äpfelchens ihr wohlverdientes Leckerli bekommen. Der dichte Straßenverkehr und der Lärm eines Straßenfestes im Vorort Fremantle lassen diese Welt indessen fremd und unwirklich erscheinen. Man befindet sich hier in einer gemäßigten Klimazone, die der unsrigen sehr ähnlich ist und mitunter auch tagsüber das Tragen eines Pullis oder einer Jacke erfordert. Die Umgebung ist wunderbar grün und fruchtbar; es gibt hier große Weinanbaugebiete und Pferdezuchtfarmen. Leider ist Perth aber auch ein sehr teures Pflaster. Das hat folgenden Hintergrund: In dieser gemäßigt-mediterranen Umgebung mit hohem Freizeitwert haben sich die Zentralen einiger großer und weltweit operierender Minengesellschaften etabliert. Immer wieder entdeckte man in den letzten Jahren erneut Bodenschätze in diesem daran ohnehin schon reichen Land. Aufgrund ihres Reichtums sind diese Gesellschaften in der Lage, nahezu jeden Preis für Personal und Wohnraum zu zahlen und das schlägt sich leider auf das allgemeine Preisniveau durch. 

Neben den umfangreichen Wassersport- und Freizeitmöglichkeiten in Perth bietet sich ein Besuch in einem nahe gelegenen Wildpark an, wo man Koala´s, Kägurus und diverse andere heimische Tiere aus nächster Nähe sehen kann. Der Weg führt weiter zu den bekannten "Pinnacles", bei denen man gefühlte 5 Stunden später ankommt: Beeindruckend, wie unzählige kleine und große Stein-Stelen wie Kakteen aus dem Dünensand herauszuwachsen scheinen. Gerade an Sonn- und Feiertagen ist dies ein bei Einheimischen sehr beliebtes Ausflugsziel. Es gibt in dieser Region des australischen Kontinents endlose Sandstrände und traumhafte Buchten, deren Namen - wie z.B. "Lucky Bay" - keiner weiteren Erläuterung bedürfen. Auf der Rückfahrt nach Perth lohnt sich auch ein Abstecher in die Sanddünen, vorausgesetzt, man verfügt über ein geeignetes Allradfahrzeug. Auf gewachsten Boards die Sanddünen hinabzusurfen ist ein ganz besonderer Spaß, der neben dem herumbrettern mit allen möglichen Vehikeln nicht nur bei den Einheimischen eine sehr beliebte Freizeitbeschäftigung darstellt. Der Versuch, einen Absacker in einem normalen Pub einzunehmen, war zumindest am Ostersonntag um 0.00 Uhr infolge der Schließung der meisten Kneipen beendet. Ein Standortwechsel zu der dem Geschäftsviertel gegenüberliegenden Gegend jenseits des Bahnhofs, wo auch die Backpacker-Hotels stehen, brachte dann schließllich die vom tanzen verschwitzte und Füße schmerzende Erkenntnis, dass sich ein intensiveres Eintauchen in das wahre Nachtleben von Perth sehr lohnt ! Ein am Folgetag organisierter Besuch in der frischen Luft des großartigen, im King´s Park angelegten Botanischen Gartens, der die gesamte Botanik des Kontinents enthält, tat nicht nur dem leicht übermüdeten Autor gut, sondern rundet zudem auch den positiven Eindruck dieser Stadt ab. 

Mir ist es ein großes Bedürfnis, mich bei allen Menschen zu bedanken, die es ermöglicht haben, dass ich diese wunderbare Reise unternehmen konnte. Allen voran den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von DERTOUR und Northern Territory, hier stellvertretend Uschi Klaas, die sich in unendlicher Fürsorge für "Ihre" Gruppe aufgeopfert hat und an Karin Greenslade, die für mich wie kaum jemand anders den Traum vom australischen Outback verkörpert. Last but not least habe ich auch auf dieser Reise das Glück gehabt, Menschen kennen zu lernen, mit denen es ein besonderes Erlebnis war, diese wunderbare Zeit gemeinsam zu verbringen. Mein Dank gilt insbesondere Sonja, aber auch Sandro, Maja und Simone für die gemeinsam erlebte unvergessliche, vergnügte und heitere Zeit.

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